Im Zweifelsfall bildet immer einen Kreis. Das war eines der ersten Dinge, die ich einmal in der Schule beigebracht bekommen habe. Kreise helfen, einander besser sehen und zuhören zu können. So sitzen auch wir in einem Kreis. Wir, das sind erst einmal 30 Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern, die am diesjährigen Jugend fragt nach – Land gewonnen?! teilnehmen.  Wir, das sind auch alte Bekannte der letzten Jahre (auch liebevoll „Wiederholungstäter“) genannt, oder neue Gesichter, deren Weg zum ersten Mal zur politischen Jugendbeteiligung am Schauplatz hitziger Debatten führt. Wir, das sind aber nicht nur Jugendliche, sondern – nebst dem Orga-Team – auch eine Gruppe Abgeordneter von SPD, CDU und der LINKEN, die es sich glücklicherweise nicht entgehen lassen, wenn der Wählernachwuchs nachforscht. Denn genau darum geht es: Was ist aus den Forderungen des letzten Jahres geworden, die im Rahmen des „Jugendregierungsprogrammes“ von Jugend im Landtag aufgestellt worden sind?

In den Workshops „Jugendbeteiligung und Kreativer Protest“, „Europa der Jugend“ und „Peaceful world – peaceful MV“ wird sich mit dem auseinandergesetzt, was uns heute bewegt. Darf doch der größte Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch keine Stimme in die Wahlurne werfen, braucht es andere Wege, aktiv am politischen Geschehen teilzunehmen. Dass Abgeordnete des Landtages dabei sind, ist glücklicherweise nichts Neues. Das Versprechen steht, die Bedürfnisse und Forderungen anzuhören. Stehen die Forderungen erst einmal, prüfen wir sie noch einmal auf konkrete Kriterien: Gibt es genügend Verbündete? Ist die Idee finanzierbar? Und ist sie rechtlich überhaupt umsetzbar? Der ein oder andere der Erwachsenen gab sogar zu, unsere Argumentationsstränge seien sogar von höherem Niveau als einiges, was im Landtag selbst von sich gegeben wird.

Doch was ist aus der verbreiteten Annahme, Politikerinnen und Politiker würden sowieso nie zuhören sondern alle Argumente abschmettern und dann doch ihren eigenen Kram umsetzen, der Wählerstimmen wegen aber so tun, als hätten sie ein offenes Ohr für alle und jeden? Nun, von vorneherein kann man das selbstverständlich nicht ausschließen. Doch die Strategie, die Forderungen auf konkrete Kriterien zu überprüfen, um sämtliche (zumindest offensichtliche) Schwierigkeiten auszuräumen, geht scheinbar auf: Nicht alle Ideen scheinen umsetzbar, und doch stehen erstaunlich viele konkrete Verabredungen und Ideen, wie es weitergehen könnte. Eine große Hilfe werden da sicher auch die Fachausschüsse des Landtages sein, deren Aufgabe es auch ist, sich mit Input von außerhalb auseinanderzusetzen. Zum Einen ist Landespolitik doch genau dafür da: zu schauen, wo die Bürgerinnen und Bürger Mecklenburg-Vorpommerns heute stehen und welche Wünsche sie haben, um ihre Zukunft zu gestalten. Nicht nur wir, der „Nachwuchs“ sind die Zukunft, sondern jeder Mensch, der sich aktiv in die Politik einzubringen versucht – genau das also, was wir mit Jugend fragt nach versuchen. Zweitens geben wir den Herren und Damen Abgeordneten auch einen Hinweis, worauf sie in zukünftigen Wahlkämpfen schauen sollten. Es geht nicht nur darum, bloße Visionen auszumalen, die Utopie eines der neuen Bundesländer. Sondern auch darum, aktiv zu werden. Nur eine vergleichsweise geringe Einwohnerzahl zu haben, bringt sicher auch die politischen und gesellschaftlichen Vorteile, mehr Menschen mit der Art und Weise der politischen Führung zufriedenstellen zu können. Jugend fragt nach hat somit die Möglichkeit geboten, genau dort hinzuschauen und wir Jugendliche als Interessenvertretung der Angehörigen unserer Altersstufe zu wirken.

                   

Darüber hinaus schloss sich an die Veranstaltung im Schloss auch der zweite Generationendialog an. Im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern des Altenparlaments Mecklenburg-Vorpommern beginnt die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Interessen für die weitere Gestaltung des Zusammenlebens in diesem Land. Oft sind es ähnliche Probleme, die über Generationen hinweg von Bedeutung sind. So mangelt es an Radwegen und Möglichkeiten der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, aber auch an einer flächendeckenden Erreichbarkeit eines Mobilfunknetzes.

 

Was bleibt nun also stehen? Erstaunlich viel. Gedanken, Ideen, Notizen, Verabredungen. Überraschend viele der Abgeordneten des im vergangenen September neu gewählten Landtages zeigten sich kooperativ und dachten ernsthaft über die Umsetzung unserer Ideen nach. So erfolgt vielleicht schon bald eine Entrümpelung der Lehrpläne, dafür mehr politische Bildung in der Schule, der Ausbau des ÖPNV oder ein Ausbau der öffentlich nutzbaren WLAN-Flächen.

Wir, das sind nun Menschen, die gespannt bleiben auf all das, was unsere Sitzkreise und hitzigen Diskussionen erbracht haben. Schließlich hat jede*r fleißig allen zugehört!

 

(Linn Kreutschmann, 19 Jahre, Rostock)

Bericht: Jugend fragt nach – Land gewonnen?!

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